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Lebensversicherung: steuerliche Behandlung der Auszahlung

Ob Erträge aus einer Lebensversicherung einkommensteuerlich relevant sind, hängt von der Vertragsart, dem Abschlusszeitpunkt und der Art der Leistung ab. Eine pauschale Aussage wie „die Auszahlung ist steuerfrei“ oder „die ganze Summe wird versteuert“ greift deshalb zu kurz. Die folgende Übersicht erklärt die grundlegenden Begriffe; sie ersetzt keine Prüfung des Vertrags und keine individuelle steuerliche Beratung.

Auszahlung oder Ertrag: worüber das Gesetz spricht

Für bestimmte nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossene Kapitallebensversicherungen erfasst § 20 Absatz 1 Nummer 6 EStG den Unterschiedsbetrag zwischen Versicherungsleistung und den entrichteten Beiträgen als Ertrag. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen wird bei einer Auszahlung nach Vollendung des maßgeblichen Lebensalters und nach mindestens zwölf Jahren Vertragslaufzeit nur die Hälfte dieses Unterschiedsbetrags angesetzt. Für nach dem 31. Dezember 2011 abgeschlossene Verträge nennt das Gesetz hierfür das vollendete 62. Lebensjahr; für ältere Vertragsabschlüsse gelten Übergangsregeln.[1]

Das ist keine allgemeine Steuerfreistellung der gesamten Auszahlung. Maßgeblich sind der konkrete Vertrag und die gesetzlichen Voraussetzungen. Die Unterscheidung zwischen einer Kapitalleistung, einem Rückkauf und einer lebenslangen Rentenzahlung kann ebenfalls entscheidend sein. Bei einer Rente können andere Vorschriften zur Anwendung kommen als bei einer Kapitalauszahlung.

Welche Vertragsangaben für die Einordnung benötigt werden

Für eine sachgerechte Prüfung sind mindestens der genaue Vertragstyp, das Abschlussdatum, die Beitragsübersicht und die vorgesehene Leistung relevant. Bei fondsgebundenen Verträgen oder besonderen Vertragsgestaltungen können zusätzliche Regeln gelten. Bei geförderten Altersvorsorgeverträgen, etwa bestimmten Riester-Verträgen, ist die Förderung ein eigener steuerlicher Aspekt; die Regeln für eine ungeförderte private Kapitallebensversicherung lassen sich darauf nicht einfach übertragen.

Die jährliche Steuererklärung und eine Mitteilung des Versicherers beantworten nicht zwangsläufig alle Fragen zur individuellen Einordnung. Bewahre Vertragsunterlagen, Beitragsnachweise und die Abrechnung der Versicherung auf. Welche Angaben in einer Steuererklärung erforderlich sind, hängt vom Einzelfall und von der konkreten Leistung ab.

Eigene Auszahlung und Todesfallleistung unterscheiden

Die Auszahlung an die versicherte Person im Erlebensfall ist von einer Leistung an Begünstigte nach einem Todesfall zu unterscheiden. Neben der einkommensteuerlichen Behandlung können bei einer Todesfallleistung weitere steuerliche Fragen entstehen. Wer Versicherungsnehmer, versicherte Person und bezugsberechtigte Person ist, kann dafür eine Rolle spielen. Aus dem Begriff „Lebensversicherung“ allein lässt sich die steuerliche Behandlung daher nicht ablesen.

Praktische Prüfreihenfolge

  1. Lies in den Unterlagen nach, ob es sich um eine Kapital-, Renten- oder geförderte Versicherung handelt.
  2. Stelle Abschlussdatum, Beitragsdauer und geplantes Auszahlungsdatum fest.
  3. Prüfe, ob es um eine eigene Kapitalleistung, einen Rückkauf, eine Rente oder eine Todesfallleistung geht.
  4. Gleiche die Versicherungsabrechnung mit der gesetzlichen Regelung für genau diese Vertragskonstellation ab.
  5. Lass offene Steuerfragen anhand der vollständigen Unterlagen fachlich prüfen.

Diese Schritte dienen dazu, die relevanten Angaben zu ordnen. Sie bestimmen nicht, welche steuerliche Behandlung für eine einzelne Person gilt.

Quellen

  1. Einkommensteuergesetz, § 20 Absatz 1 Nummer 6 sowie Anwendungsregelungen in § 52, geltende Fassung.

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