Bausparvertrag verkaufen: Zweitmarkt verstehen & richtig abwägen
Wenn du deinen Bausparvertrag nicht mehr brauchst oder dringend Liquidität suchst, kann der Verkauf an Dritte über den Zweitmarkt eine Alternative zur Kündigung sein. Entscheidend sind jedoch Rückkaufs-/Verkaufswert, mögliche Gebühren, die Zustimmung der Bausparkasse sowie der Verzicht auf Förderungen. Prüfe diese Punkte früh – dann kannst du besser entscheiden, ob Verkauf, Abtretung oder Kündigung sinnvoller ist.
TL;DR
- Antwort: Ein Bausparvertrag kann über den Zweitmarkt an einen Dritten übertragen werden – mit Zustimmung der Bausparkasse.
- Kriterium: Lohnt sich der Verkauf, wenn nach Gebühren und möglichen Wertverlusten ein akzeptabler Nettoerlös bleibt.
- Wichtigster Vorbehalt: Förderungen können wegfallen – und nicht jeder Vertrag ist für den Verkauf geeignet.
- Nächster Schritt: Prüfe als nächsten Schritt in deiner Situation, welche Option (Verkauf/Alternativen) am passenden zu deinen Zielen passt.
Erst die Risiken: Wann ein Verkauf sich oft nicht (oder nur eingeschränkt) lohnt
Bevor du Angebote einholst, solltest du drei Dinge im Blick haben: (1) Förderungen, (2) Gebühren/Abzüge und (3) Eignung deines Vertrags.
- Förderungen können entfallen: Je nach deiner bisherigen Förderung kann die Übertragung des Bausparvertrags dazu führen, dass du Zuschüsse/vergünstigte Bestandteile nicht mehr wie beim Behalten oder Kündigen nutzen kannst. Bei der Wohnungsbauprämie ist etwa die Zweckbindung entscheidend; Abtretungen können prämieschädlich sein, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt sind. (lsth.bundesfinanzministerium.de)
- Nettoerlös ist nicht gleich Verkaufswert: Bearbeitungs-, Vermittlungs- oder Abwicklungsentgelte können den Betrag mindern.
- Zustimmung & Voraussetzungen: Die Bausparkasse prüft, ob dein Vertrag für eine Übertragung geeignet ist; hinzu kommen können bestimmte Konstellationen (z. B. besondere Bedingungen) den Prozess erschweren.
Wenn du unter Druck stehst (z. B. wegen einer kurzfristigen Geldlücke), kann der Verkauf zwar schnellere Wege eröffnen – aber nur, wenn die oben genannten Punkte für dich nicht negativ kippen.
Entscheidung in Profilen: Was passt zu deiner Situation?
Statt „one size fits all“ funktioniert die Wahl meistens besser, wenn du dich in ein Profil einordnest.
Profil A: Du willst den Vertrag nicht mehr nutzen und suchst Planbarkeit
- Typisch sinnvoll, wenn du den Bausparvertrag mittelfristig nicht mehr für Wohnzwecke einsetzen willst.
- Wichtig: Prüfe, ob ein Anbieter/der Prozess deinen Vertrag überhaupt übernehmen kann und wie hoch die erwartbaren Abzüge sind.
Entscheidungsfrage: Würde dir der Verkauf trotz möglichem Förderungsverlust einen klar besseren Nettoerlös bringen als Alternativen?
Profil B: Du brauchst Liquidität, aber Förderungen sind für dich zentral
- Eher vorsichtig beim Verkauf, wenn du auf Bestandteile angewiesen bist, die durch einen Wechsel des Status wegfallen könnten.
- Vergleiche Varianten: Kündigung oder Beibehalt kann (je nach Ausgangslage) die bessere Gesamtentscheidung sein.
Entscheidungsfrage: Ist die Förderung/der Vertragsnutzen so groß, dass der Nettoeffekt nach Gebühren den Förderverlust wahrscheinlich nicht ausgleicht?
Profil C (Zweifel-Fall): Du hast nur grobe Zahlen und noch keine Unterlagen
- Zuerst Klarheit schaffen, bevor du dich festlegst: Rückkaufs-/Verkaufswert, Gebührenrahmen und welche Nachweise gefordert sind.
- Vermeide es, dich nur auf „Richtwerte“ zu verlassen.
Entscheidungsfrage: Kannst du die entscheidenden Eckdaten (Wert, Abzüge, Voraussetzungen) bereits konkret prüfen – oder bräuchtest du dafür zuerst Unterlagen?
So läuft der Verkauf über den Zweitmarkt grundsätzlich ab
Im Kern geht es um Vertragsübertragung an einen Dritten. Dabei sind typischerweise diese Schritte relevant:
- Anfrage & Angebotsprüfung: Du gibst die nötigen Informationen an und erhältst ein Angebot.
- Zustimmung der Bausparkasse: Ohne diese Zustimmung läuft der Verkauf meist nicht sauber durch.
- Übergabe der Unterlagen & Abwicklung: Vertrags- und Identitätsnachweise sowie Angaben zur Auszahlung werden geprüft.
- Auszahlung: Erst nach Abschluss der Übertragung erhältst du den Betrag.
Welche Unterlagen du meist brauchst (damit du nicht ins Stocken gerätst)
Bereite im Voraus das vor, was typischerweise für den Prozess verlangt wird:
- Vertragskopie
- Nachweise zu deinem Kontostand/Fondsbestand bzw. zum relevanten Wert (je nach Prozessbegriff)
- Identitätsnachweis
- Angaben zur Auszahlung (z. B. Bankverbindung)
- Infos zu Förderbestandteilen, soweit relevant
Wenn du diese Punkte früh zusammenträgst, kannst du Angebote schneller gegenprüfen und Fehlwege vermeiden.
Kosten: Wovon der Nettoerlös abhängt
Beim Verkauf können Kosten/Entgelte auftreten, die du nicht ignorieren solltest. Sie können je nach Prozess und Anbieter variieren, typischerweise geht es um:
- Abwicklungs- oder Bearbeitungsentgelte
- gegebenenfalls vermittlungsbezogene Kosten
- Kosten im Zusammenhang mit Nachweisen/Unterlagen
Wichtig: Entscheidend ist immer das, was nach allen Abzügen bei dir übrig bleibt. Daher: vergleiche nicht nur die Bruttowerte, sondern den Nettoeffekt.
Alternative im Blick: Abtretung an Familienangehörige (wenn möglich)
Manchmal kommt statt des Verkaufs eine Abtretung innerhalb der Familie infrage. Das kann – je nach Zustimmungsvoraussetzungen – eine Möglichkeit sein, weniger „externen“ Aufwand zu haben. Gleichzeitig gilt: Auch hier können Förder- und Vertragsbedingungen betroffen sein. Deshalb sollten du und die Bausparkasse die Details sauber klären.
Zur Wohnungsbauprämie wird in Verwaltungshinweisen auch erläutert, dass Abtretungen prämieschädlich sein können, aber es Ausnahmen geben kann. Zum Beispiel kann eine Abtretung prämienunschädlich sein, wenn der Abtretungsempfänger die Mittel unverzüglich nach Auszahlung und unmittelbar zum Wohnungsbau für den Abtretenden oder dessen Angehörige verwendet. (lsth.bundesfinanzministerium.de)
Was du als nächstes konkret tun kannst
- Klär deine Eckdaten: erwarteter Verkaufs-/Rückkaufswert, mögliche Abzüge, Förderstatus.
- Hol den Prozessrahmen ein: Welche Unterlagen fordert die Bausparkasse bzw. der Zweitmarkt-Abwickler?
- Vergleiche Optionen: Lass die Gesamtwirkung entscheiden – nicht nur „Verkauf vs. Kündigung“.
Hinweis zur Einordnung
Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch deine Bausparkasse oder eine Fachperson.
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