Crowdinvesting & Crowdfunding nach Belleflamme: Modelle, Unterschiede, Chancen
Der Aufsatz „Crowdfunding: Tapping the Right Crowd“ von Paul Belleflamme, Thomas Lambert und Armin Schwienbacher untersucht die Wahl zwischen zwei Finanzierungsformen: Vorbestellung eines Produkts und Gewinnbeteiligung. Die Autoren modellieren, unter welchen Annahmen ein Unternehmen die eine oder andere Form bevorzugen könnte. Der Beitrag behandelt damit nicht sämtliche heutigen Crowdfunding-Kategorien und ist keine allgemeine Anleitung für Geldgeber. Originalaufsatz
Zwei untersuchte Finanzierungsformen
Bei der Vorbestellung zahlen Unterstützer im Voraus für ein Produkt, das erst später entwickelt oder ausgeliefert werden soll. Der Finanzierungsbeitrag ist damit an die erwartete Lieferung gebunden. Im Gewinnbeteiligungsmodell wird Kapital gegen einen vertraglich definierten Anteil an künftigen Gewinnen bereitgestellt. Rechte und Zahlungsansprüche hängen von der konkreten Vereinbarung ab.
Die Studie entwickelt ein theoretisches Modell, in dem unter anderem der anfängliche Kapitalbedarf und die potenzielle Marktgröße die Wahl zwischen Vorbestellung und Gewinnbeteiligung beeinflussen. Das Ergebnis beschreibt Modellbedingungen für die Finanzierungsentscheidung eines Unternehmers; es ist keine empirische Erfolgsgarantie und lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein konkretes Projekt übertragen.
Begriffe voneinander abgrenzen
Crowdfunding ist der Oberbegriff für die Finanzierung über Beiträge vieler Personen. Crowdinvesting wird üblicherweise für investitionsbasierte Formen verwendet. Crowdsourcing bezeichnet dagegen die Einbindung einer größeren Gruppe in Aufgaben, Ideen oder Beiträge, die nicht zwingend finanzieller Art sind. Diese Begriffe überschneiden sich im Alltag, bezeichnen aber unterschiedliche Mechanismen.
Vorbestellungs- und Gewinnbeteiligungsmodelle können auf Plattformen umgesetzt werden, ihre Vertragsstruktur ist dennoch verschieden. Bei einer Vorbestellung stehen Lieferpflicht, Produktumfang und Zeitplan im Mittelpunkt. Bei Gewinnbeteiligung sind unter anderem Berechnung der Gewinne, Informationsrechte, Laufzeit und Verlustmöglichkeiten relevant.
Was das Modell aussagt und was nicht
Ein theoretisches Modell vereinfacht die Wirklichkeit, um Beziehungen zwischen Annahmen zu untersuchen. Seine Aussagen gelten innerhalb der Modellstruktur. Es bewertet nicht automatisch die Bonität eines Unternehmens, die Qualität eines Produkts, die Fairness eines Vertrags oder die Risiken eines heutigen Plattformangebots.
Für die Übertragung auf aktuelle Angebote müssten mindestens die tatsächliche Vertragsform, Zahlungsansprüche, Gebühren, Bedingungen bei Nichterfüllung und die wirtschaftliche Lage des Vorhabens separat untersucht werden. Eine Vorbestellung ist nicht gleichbedeutend mit einer Kapitalanlage; eine Gewinnbeteiligung ist nicht automatisch eine Beteiligung am Eigenkapital.
Häufige Fragen
Die Antworten erläutern die im Beitrag untersuchten Crowdfunding-Modelle und ordnen deren Merkmale ein.
Welche zwei Modelle untersucht der Aufsatz?
Er vergleicht Vorbestellung eines Produkts mit einer Finanzierung gegen Gewinnbeteiligung.
Ist das dasselbe wie Spenden- und Reward-Crowdfunding?
Nicht genau. Die Untersuchung konzentriert sich auf Vorbestellung und Gewinnbeteiligung; Spendenmodelle sind nicht der zentrale Vergleich des Aufsatzes.
Beweist die Studie, welches Modell bessere Renditen erzielt?
Nein. Sie entwickelt ein theoretisches Modell zur Wahl des Unternehmers und verspricht keine Rendite oder einen bestimmten Projekterfolg.
Sind Gewinnbeteiligung und Eigenkapital dasselbe?
Nicht zwingend. Die konkrete rechtliche Konstruktion und die damit verbundenen Rechte ergeben sich aus den Vertragsunterlagen.
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